#Meeresfrüchtchen - Impressionen

281/15: Foto: Meeresfrüchtchen auf Spiekeroog

Ein Meeresfrüchtchen auf einer Nordseeinsel namens Spiekeroog, das wirkt doppelt gemoppelt. Die Prominenz ist heute Abend auch hier. Er ist der Hofberichterstatter von den Königshöfen der Welt und berichtet kundig, wie viel Gin Queen Mum soff und was Lady Di für Unterwäsche trug. Heute ist er inkognito hier: Rolf Seelmann-Eggebert, und wir wissen, was Rolf SE diesen Frühherbst getan hat. Im Meeresfrüchtchen gespeist.

Das Meeresfrüchtchen ist so eine Art Fischereikate, man hat Einblick zur Küche hinten, vorn ist ein gläserner Tresen, auf dem unter Eis Fisch aufgebahrt ist. Das Restaurant ist ein Plus, das sich an das Laden- und Tresengeschäft anreiht. Die Türklinke ist stilecht in Fisch gehalten. Drückt man sie runter, stinken allerdings die Finger nicht (überprüft), wahrscheinlich ist er zu frisch.
Unsere Runde nimmt um den vorbestellten Tisch Platz, wir sind 11/12, heute wird hier ein Achtziger zelebriert. Vorweg gibt es einen Gruß aus der Küche, das gehört so. Es sind kross ausgebackene Garnelen. Dazu gibt es eine Knoblauchprimadonna erster Kajüte. Auf Nachfrage kein Küchengeheimnis: Magerquark, unendlich viel Knoblauch, bisschen Paprika, Salz und Pfeffer. Speziell das ordern wir noch einmal paar Mal nach im Verlaufe des Abends.

Eine Spiekerooger Krabbensuppe mutt, denn was mutt dat mutt, denke ich. Genau genommen ist sie zu groß und (es) wandert infolgedessen (infolgeessen Essen, dessen) auf dem Tisch hin und her: Ja, lecker, sagen alle, die davon gerochen und probiert haben, kann man essen.

Alle bestellen sich was mit Fisch. Oh Wunder.

Das Essen ist okay, es ist nicht fein oder bonne cuisine, sondern zünftig, es schmeckt. Überwiegend wird frittiert und gebacken, dazu gibt es frische Salate, alle mit Sprossen. Am Ende der Speisetafel gibt es einen Friesennebel, ein Anisschnaps, der angezündet wird. Um ihn auszumachen, bekommt man ein kleines Löschpfännchen, auf dem ein uriger Spruch steht.
Ganz gediegen, schönes Ambiente, aufmerksame Kellner – ich habe nichts zu meckern. Beim Matjes habe ich allerdings nicht den glücklichen Griff bewiesen, mir schmecken zwei von drei Sorten nicht, aber das liegt an meiner eigenen Voreingenommenheit: Ich halte den holländischen Matjes für Weltklasse, aber die Zeit im Juni ist längst vorüber und Matjes im Aalrauch finde ich nicht so überzeugend. Dafür keinen Punktabzug, denn das ist Schuld eigene.

Von mir summa summarum fünf Sterniche, Kraniche gibt’s hier nicht und die in den Dünen allerorten anzutreffenden Fasaniche will ich der Gastronomie nicht opfern. – Empfehlung. Unbedingt hingehen, ist guter Ort am Platze. Bzw. auch umgekehrt.