306/16: Gastritik: Eine ganz gewöhnliche Erfahrung! Das Sisaket #Beitragspiegel

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Seit Jahren fasse ich den Laden an, wenn er auf meiner Wegstrecke liegen könnte. Sei es aus Absicht oder ohne einen Plan. Das laotisch geführte Sisaket ist mit das Beste, das Berlin an thailändischer Kirche (die Religionsgemeinschaft der Gutesser) zu bieten hat. Wenn man gläubig ist und wie ich buddhistisch an die Großartigkeit außergewöhnlicher Essenstempel glaubt. Ein bisschen zusammengerückt ist das ganze inzwischen. Noch vor kurzem verteilte sich die thailändische Dreifaltigkeit auf drei Gegenden in Berlin: Mit dem Mao Thai an der Wörther Str. (Prenzlauer Berg), Tuans Hütte (Dircksenstr., Mitte) und dem Sisaket, dem zweifellos edelsten der drei asiatischen Unicorns in der Mauerstr. (Mitte).

Als müssten wir alle inzwischen den Gürtel enger schnallen, ist das Sisaket nun an Tuans Hütte so nah wie fußläufig herangerückt. Beide Geschäfte liegen gerade mal 200 m auseinander. Das ist ein Punkt, der einem als wirklich langjähriger Verehrer dieser 3 Highligen Könige aus dem Siam doch Sorgenfalten ins Gesicht schlägt. Wohin denn nun? Zu Tuans Hütte? Oder zum Sisaket, wenige Meter daneben? Kommt inzwischen wirklich drauf an. Allerdings ist jetzt das Sisaket zum Bewerten dran.

Ich bin am Freitag letzter Woche zu viert eingekehrt. Unser lustiges Quartett ist ortskundig, zwei von uns kennen das Personal des Ladens persönlich, nicht nur wie ich, vom sich hier, Stammkunde fühlen. Das hat mit thailändischer Herkunft zu tun. Daher haben wir auch keine Sprachbarrieren mehr und sind Insider. Im bereits geschlossenen Restaurant an der Mauerstr. gab es ein Gericht namens Pla Gung (Garnelen) für 24,- EUR, das ich heute haben möchte. Ich möchte nicht darauf verzichten. Die Speisekarten sind neu und wie ich erfragte, werden sie noch nachbearbeitet, es wird eine neue geben, auf der das Gericht dann auch wieder drauf sein wird. Das tut auch dringend not, es ist für mich das Schmankerl dieses Restaurants überhaupt. Für den Nachmittag vom Freitag, an dem wir hier sind, entwickelt sich dann ein direkter Draht zur Küche, ich gebe zu, das ist ein Privileg. Wir diskutieren das Gericht, und da es nicht auf der Speisekarte steht, bekomme ich es nach ein paar persönlichen Grüßen in die Küche trotzdem. Wir hätten dabei auch auswählen können aus einer zusätzlichen, ausschließlich in thailändisch verfassten Sonderkarte, aber ich habe meine Prinzipien. Ich will, nein ich muss Pla Gung haben. Darauf habe ich seit ca. 12 Monaten verzichtet.

Das bereue ich kurz gesagt nicht und inzwischen weiß ich auch, wie man es anrichtet. Es ist wirklich zum Weinen so schön: ich habe vier große Tigergarnelen, die rücklings aufgeschnitten und seitwärts weg geknickt auf dem Bauch liegen. Durchs Braten sind sie zu Blumen geworden, orangefarben, ein bisschen krispy und wohlgelitten. Das Arrangement besteht wie häufig üblich, aus geschnitzten Karotten, auf die ich gern verzichte, ein bisschen Salat ist drunter. Das Kuvert der Garnelen ist die angerührte Saucierung. Viele Kräuter (Minze), Schalotten bzw. rote Zwiebeln. Ich habe kurz vor meinem Besuch hier internetweit die Zutaten eines guten Pla Gung recherchiert. Viele raten, Kokosnussmilch ins Spiel zu bringen. Ich weiß von früheren Besuchen in der Mauerstr., dass das Sisaket auf Kokosnussmilch verzichtet. Nein, hier ist die Sauce eher von wässriger Konsistenz, mit Anteilen von Fischsauce und Limettensaft, es heißt, sie sei „nach einer geheimen Art des Hauses“ zubereitet. Das macht für mich den Unterschied. Das Cremige der weggelassenen Milchzutat ist der Punkt. Die Sauce hier hat eine nicht zu salzige, leicht ins Süßliche changierende Fruchtsäure, äußerst angenehm. Auf keinen Fall darf reichlich Zitronengras fehlen und was die Sauce so geheim macht, werde ich aus Loyalität zum Chefkoch des Hauses nicht verraten. Ich weiß es jetzt.

Dieses Gericht Pla Gung zu bestellen, war allein die Anreise wert. Ich muss noch erwähnen, dass meine weiteren drei Tischnachbarn nicht weniger professionell und sachkundig geordert haben und als wir am Ende unseres Besuchs für vier Personen rund 86,- EUR zahlen müssen, gibt es ein Problem mit dem Kartenlesegerät. Aus irgendeinem technischen Grund macht das WLAN Schwierigkeiten. Ich zahle in bar, wir verlassen das Sisaket und sind uns hinterher im Grunde einig: Das war wirklich ein ganz besonderes, festliches und gutgelungenes Essen an einem heißen Sommertag in Berlin.

Das Restaurant Sisaket nach Essen wie diesen zu verlassen, macht einen ein Stück weit buddhistisch. Man möchte danach gern auf weitere körperliche Zufügungen wie Eis, Kaffee und Sonstiges verzichten, um das Erlebte, das Verköstigen von gut gelungenem Essen nicht hinweg zu wischen. Für den Barzahlungsmodus in einem Karten akzeptierenden Restaurant gibt es von mir einen Punkt Abzug und daher nur fünf Punkte. Besser geht thailändisch Essen in Berlin wohl kaum. Allenfalls noch in Tuans Hütte oder im Mao Thai (siehe oben) kann man vergleichbar exzellent schnabulieren. Ich hoffe, ich konnte dem besonderen Platz in der Dircksenstr. den Gefallen tun, ihn so zutreffend als möglich zu beschreiben. Es müssen jetzt wirklich Gäste hin, denn neue Plätze wie diese müssen erst einmal aufgefunden werden und dann wird nicht nur die frühere Stammkundschaft wieder kommen, sondern auch ein paar neue Schlachtenbummler dazu. In der Mauerstr. jedenfalls war der Laden manchmal so rammelvoll, das ich Ex-Minister Jürgen Trittin als Freund des Hauses fast mal übersehen hätte. Danke für die Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag erschien im Juli 16 auf tripadvisor hier