Ausflüge nach Gut Hesterberg (Serie)

296/16: Gastritik: Ausflüge nach Gut Hesterberg in Neuruppin-Lichtenberg (Brandenburg)

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Im Rezensionen-Sprengel auf Yelp ist es ein Meinungsgequengel.

Großstädter rasen aus Hamburg oder Berlin davon und von der Autobahn direkt aufs Landgut nach Neuruppin-Lichtenberg und beckmessern herum. Haben Dinge auszusetzen, wie auf ‚ner Kräuterwiese halbseidener Argumente. Sie wissen mehr, sind intellektuell verkopft, aber leider nicht profunde Kenner. So sind Städter: Sie wissen immer alles besser. Meckern essen Seele auf.

Dabei lässt sich das Gut Hesterberg gar nicht vernünftig inhaltlich angreifen.
Das tut René K. aus Berlin, er schreibt (1 Stern): Wenn schlechte Qualität und lange Wartezeiten, dann hier! 0 Sterne wären gerechtfertigt.“ Und das war auch schon die Rezension. Was für ein dummer Beitrag, der den Rädelsführer des Bösen selbst entlarvt, nicht aber die mangelnde Qualität engagierter Landwirtschaft. Den Beitrag habe ich gemeldet als ein fieses Foppen! Der Leser.

Der fiese Möpp, immer hübsch anonym Verrisse schreiben und nicht einmal merken, dass man auch das nicht kann. Was soll´s?

Das Personal ist freundlich, kundennah, aufgeschlossen und im Gespräch verbindlich. Besonders Carina Isselhorst. Sympathieträgerin: Sie ist freundlich, blond, mit Zopf und Brille, round about 50 und hat das Herz und die brandenburgische Schnauze auf dem rechten Fleck. Sie bedient am Fleisch- und Wursttheke-Frontend im Gut Hesterberg-Shop, über dessen Tresen alte Schinken zur Deko herabhängen. Unverkäuflich, aber hübsch anzusehen.

Sie weiß von Lebensweisheiten an und für sich, erzählt aus der Firmengeschichte und macht die Fütterung von Tieren in der Landwirtschaft mit „Dampffutter“ verächtlich. Dieses Turboprop Mästen, das sei nichts. Zu recht. Dinge müssen reifen, Zeit haben, bspw. ungefähr 36 Monate. Bei vielen Verbrauchern gärt es inzwischen, die Wut. Rindfleisch braucht demgegenüber Garung: Das würde man Slow Growing nennen. Für die Reifung. Das Tier benötigt eine gewisse Zeit, für die im industriellen Massentiertötungskomplex kaum Zeit ist. Später wird hieraus Slow Food. Zeit einräumen, so wie Morla, die Schildkröte aus der Unendlichen Geschichte: Es spielt zwar keine Rolle, dass wir keine Zeit haben, aber wir nehmen sie uns.
Fast alle, die hierher kommen, wissen das schon. Nicht alle kennen Morla, die Schildkröte, die Zeit hat.

Jenseits vom Tresen von Carina Isselhorst, mit dem Verkauf von Wurst und Fleisch, darf sich der Gast hier hinsetzen und bedienen lassen. Die Fütterungshalle ist gediegen, die Wände sind sandsteinfarben und mit allerhand optisch täuschend aufgebrachter Lüftelmalerei verziert, Mauerbänder sind perspektivisch aufgemalt und oben säumt ein Fensterkranz zur offenen, einsehbaren Küche mit vielfarbigen Mal-Vasen die Stuckornamentik, gemalt und gelüftelt. Wäre das hier Bayern und nicht Brandenburg, es wäre kitschiger. Ist es aber nicht: Es ist das raue Brandenburg-Nordnordwest vor Neuruppin, das vor Hunderten von Jahren mehrmals brannte.

Ein Vorredner auf yelp schreibt was von „völlig überteuert“. Das ist Quatsch. Es ist nicht billig hier, aber das wissen die Stammkunden, und deswegen kommen sie hierher. Sie wollen Qualität und die hat einen höheren Preis als 2,99 € für ein Styroporpacken Steaks als der Supermarkttheke, so ein ganz und gar unanständiges Angebot. Das Gut Hesterberg steht für das genaue Gegenteil. Das äußerst empfehlenswerte Entrecote für 48,90 €/kg ist nicht billig, aber von guter Qualität. Weil wir es uns und unserer besonderen Wertschätzung von gutem Rindfleisch wert sind.

Vielen Fleischfressern kommt ein Gut Hesterberg angenehm in die Quere nach dem Motto: „FdH“. Es war kürzlich Gegenstand einer BBC-Dokumentation auf Deutsch. Weltweit fressen Menschen 88 kg Fleisch. Will man die damit einher gehenden globalen Probleme lösen, haben Wissenschaftler ausgerechnet, dass jeder Mensch nur noch rund die Hälfte Fleisch fressen dürfte. Umgerechnet ist das 100 g Fleisch pro Tag. Diese Menge Fleisch, das lässt sich nachrechnen, dürfte das Doppelte kosten und wäre von guter Qualität. Ist ja einfach, oder?

Die Themenküche, die man im Restaurant vom Gut Hesterberg auftischt, ist thematisch durchdacht, Landküche mit Themen wie Wild, Schlachtplatte oder Wildschwein, immer …well done. Nicht immer schmaler Taler, auch mal hochpreisiger, immer hochqualitativ. Wie hier einige auf yelp kritisieren und undurchdacht 1-Sterne-Bewertungen schreiben, weil sie ihre Gelassenheit vergaßen und das falsche wohl aßen? Wir wissen es nicht genau. Es ist eine gute, bodenständige Küche und es ist immer einen schönen Landausritt wert, hierher zu kommen. Zänkisch die Formulierung eines Vorredners, mit einem „geschäftstüchtigen Riecher und passenden Subventionen“ sei hier ein Schloss aus dem Boden gestampft worden. Solche Vorformulierungen stehen bereits von Anfang für sich selbst und ihre wohl hyperkritisch gemeinte Absicht, eine an und für sich gute Sache zu bemäkeln.

Vor der Tür stehen auf Gattern schwarzfellene Jungkühe (Kälber) im Streichelzoo. Sie lassen sich streicheln, am Kinn und sind bzw. bleiben Essen, wer Kühe krault, findet sie süß. Noch. Später sind sie äußerst schmackhaft. Es ist ein Graus.

Unsere Bedienung ist erst seit sechs Monaten hier. Auf Nachfrage, wie nun Herr Hesterberg dahingeschieden sei, also ob beim Reinigen der Jagdwaffe, wie in Erinnerung geblieben ist oder bei einem Wildunfall, wird ihm unsererseits hübsch aufgetragen, zum nächsten Besuch die Familienbio der Familie Hesterberg noch einmal nachzufassen, um sie uns bei passender Gelegenheit richtig zu erzählen. Der Familie Hesterberg, die den Tod ihres Gründers verwinden musste, wünscht man eine gute, krisenfeste Zeit und viel Glück weiterhin bei diesem absolut vorzeigbaren Projekt, in dem wir uns selbst äußerst wohlgefühlt haben, all jenen Unkenrufern und Quarkfröschen zum Trotz, die versuchen, zu billige Verrisse hier zu hinterlassen. Schämt Euch.

Der Beitrag erschien eingekürzt zeitgleich auf Yelp