Fenchelsalami, italienisch

290/15: Gastritik: Die Trattoria Fidelia in der Lüneburger Str. 390 liegt absolut unscheinbar. Das Essen hingegen…

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Silouetta della Romancia!

Auf yelp fand ich gemeldet, dass dieser Ort geschlossen sei, also nicht mehr geöffnet. Das trifft nicht zu: Ich habe yelp unterrichtet. Und ich werde diese Gastrokritik (Gastritik) teilweise auch auf yelp veröffentlichen, um dem Restaurant meine berechtigte Kritik angedeihen zu lassen. Denn schließlich fragte mich eine zarte Pflanze namens Vero, ob man den Saftladen empfehlen könne? Um es kurz zu machen: Man kann. Und sollte es auch.

Ich habe eine virtuelle Freundin namens Veronika, die mich nicht versteht. Wir führen eine elektronische Fernbeziehung. Sie versteht meinen Humor nicht.

Deswegen habe ich mir heute Vormittag vorgenommen, ihr etwas aufzuschreiben, das spaßfrei und frei von Mistverständnissen ist. Es geht um den Faktor Weiterempfehlung. Ist das Restaurant gut? Also: Würdest Du einen Besuch dort empfehlen?

Und ich so, Augenbrauen hochzogen, Augäpfel rollend: Ja. Ja-hahhh!

Dabei hat alles ganz verständnisfehlerfrei angefangen und nur weil es schriftlich da stand auf der Prinzenrolle meines sozialen Netzwerks Facebook, der Timeline, hat sie angefangen, es in Zweifel zu ziehen. Sie fühlte sich verar…. – Doch das ist eine andere Geschichte.

Ein Hauen und Stechen!

Aus dem Nachgehake von Vero wurde schließlich folgender profunder Gedanke meinerseits und ehrlich gesagt habe ich ihn noch nirgends so aufgeschrieben gefunden, deswegen hat er durchaus Berechtigung, dahin geschrieben zu werden, er lautet:

Die Rede ist hier von der Trattoria Fidelia, Lüneburger Str. 390, 10557 Berlin-Tiergarten, und ich werde nachfolgenden Text den amerikanischen Gastroludern von Yelp zur Verfügung stellen, damit jeder es weiß: Das Restaurant ist spitze.

Die ganze Gegend ist unwirsch, irgendwie. Niemand verweilt hier besonders gern, der nicht weiß, warum. Kollege Bundespräsident Gauck wohnt umme Ecke, im Schloss Bellevue. Dran vorbei gefahren, ist die Paulstr. die Magistrale zum Knast, wo Honecker und Co. schon gesessen haben. So weit fährt nur, wer weiter will. Die Paulstr. wird überquert von einem Eisenbahnviadukt, hier rauschen die Züge drüber weg in Richtung Hauptbahnhof. Bzw. Richtung Stadt.

Hier sind wir zutreffend angekommen bei den vielen Kleingewerbetreibenden der Gegend, die in den so genannten S-Bahn-Bögen (unter dem Eisenbahnviadukt) ihr Gewerbe betreiben. Es sind Handwerker, Dienstleister, weiter hinten ist das Artenschutztheater mit Kleinbühne und schützt bedrohte Arten, darunter auch Künstler. Einige gastronomische Cracks haben sich hier niedergelassen, ein Fischrestaurant ist auf der Rückseite der Lüneburger Str., der Alice-Berends-Straße. Direkt vorn an der Paulstr. gibt es nur zwei gegenüberliegende Gastropfunde, mit denen der Esser wuchert.

Die vormalige Küchenchefin am Deutschen Theater in Ostberlin ist hier und stellt pappene Angela Merkels in Lebensgröße auf, ansonsten karrt sie Reisebusse mit japanischen und chinesischen Touristen ran, immer im Fünfziger-Pack. Dort deutsche Küche, die wollen das so. Ihr gegenüber, direkt im S-Bahn-Bogen residiert die Trattoria Fidelia.

Jack Nicholson

Auch auf yelp häufig vertreten: Diese Negativistentypen, die irgendeinen unbegründeten Schmarrn dahin schreiben, um einem Restaurant und seinem Renommée zu schaden. Wir haben Jack N. gefragt, wie man mit solchen Kritiken umgeht.

Das Restaurant ist ein richtiger Geheimtipp, denn niemand würde hier eine gute Küche erwarten, es sieht von außen auf der Straße eher so schlonz aus, nichts Gutes erwartet man hier. Umso überraschter kehrten wir neulich hier mal ein, in einer Art Verlegenheitslösung. Madame Deutsches Theater gegenüber hat den xten Reisebus voll Asiatypen vor die eigene Freßmeile geworfen, dann gehen wir eben anderswohin, italienisch.

Das ist kurzgesagt, von einer solchen Großartigkeit, dass es mir die Schuhe auszieht.

Ungefragt bleiben wir, als das übliche Besteck als Gruß des Hauses auf den Tisch kommt. Wie bei Muttern in Sozilien (soziales Netzwerk, italieniesque angehaucht) gibt es Weißbrot, dazu verschieden von Hand aromatisierte Olivenöle in großen Flaschen, so dass wir uns ein Vorgeschmäckle aufs folgende schon ausdächten. Bzw. Hunger mitbrächten. Die Bäckchen glühen schon.

Zunächst bekomme ich ein Rindscarpaccio (Carpaccio di Manzo). Sehr schön abgeschmeckt, das Fleisch von sehr guter Qualität, schön dünn geschnitten. Es gibt so ca. 1 m große Pfeffer- und Salzmühlen, aus Plaschte, wie schön sie anzusehen sind, zumindest raspelt man sich transparent das Streu auf den Teller.

Ein Glaserl Rotwein!

Hinterher habe ich Tintenfische livornese, die in einer Tomatensauce sehr geschmackvoll und richtiggehend heiß serviert werden. Ich habe noch zwei weitere Male bisher dort gegessen, inzwischen. Jedesmal ist die Qualität sehr überzeugend und ich bin immer wieder positiv überrascht, wie gut man hier für vergleichsweise angemessenen Taler essen kann. Sollte ich bei Gelegenheit noch in meinen digitalen Artefakten was dazu finden, kann ich mit Fotos noch weiter ergänzen und werde dies tun.

Das Restaurant ist wirklich uneingeschränkt empfehlenswert. Japanische Reisegruppen, die Bockwurst und Kartoffelsalat mögen, finden den Weg dorthin nicht. Gut so.

Fotos folgen. Bei Gelegenheit.

Ein Gedanke zu „290/15: Gastritik: Die Trattoria Fidelia in der Lüneburger Str. 390 liegt absolut unscheinbar. Das Essen hingegen…

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