36.12: Gastrokritik: Vom „Moon Thai“ in der Charlottenburger Kantstr., Maggi & Instantsuppenwürfeln

Collage "Moon Thai", Kantstr. 32, Charlottenburg

Collage "Moon Thai", Kantstr. 32, Charlottenburg

Den Laden bewertete ich im Dezember 2011 auf qype wohlwollender. Inzwischen hat eine Abwertung von mir bekommen. Warum, begründe ich nachfolgend…und übrigens auf kauperts.de

Ich habe gerade noch einmal explizit nachgeschaut: Ja, ich habe mir sozusagen die „Geschlechtsreife gewöhnlicher Gastrokritiker“ (Kürzel: „GGG“) schon reichlich angeschrieben, nicht anschreiben lassen. Ich bin, was Wissen angeht, gewiss kein Schnorrer, sondern schmore im eigenen Saft, aus eigenem Erleben und -bei Bedarf- gibt´s dazu ein Kännchen Ingwertee, mit Limettenscheiben bitte schön, wegen der Fruchtsäure.

Apropos sauer: Sauer bin ich jetzt auch wieder auf meine eigenen Erinnerungen, die zuweilen löchrig sind. Anders als andere Gastroversessene könnte ich ja nachsehen. Ich bin wie ein Stinktier. Wo ich war, hinterließ ich immer Spuren. Duftspuren, wie solche Bewertungen. Entschuldigt, Leute, dass ich auf diese Weise versuche, gegen schlechte Gastronomie anzustinken.

Lab Gai @Moon Thai, Kantstr., Charlottenburg

Lab Gai @Moon Thai, Kantstr., Charlottenburg

Wie man weiter unten wohlwollend vermuten könnte, wäre ein Lab Nam Tok durchaus denkbar, sprachlich, wenn denn dieser Namensbezeichner das geschmackliche Erlebnis des hier gezeigten Lab Gai erfüllen würde. Tut er aber nicht. Und deswegen soll der Gedanke hier nicht weiter verfolgt werden. Wenn er auch ansatzweise unten bereits deutlich zum Vorschein kommt.

Denn ich übe auch lobhudelnde Kritik. Allerdings nicht hier und nicht heute. Das Moon Thai kenne ich schon länger und schrieb auch auf qype darüber schon mal ´ne Bewertung. Insgesamt hatte ich den Laden nicht so schlecht in Erinnerung. Allerdings jetzt auch nicht übermäßig gut. Gestern allerdings erhielt ich wieder einmal die „totale Erinnerung“. In Erinnerung kam mir, ich hätte das Kochpersonal bei Dienstantritt dabei gesehen, wie die Damen drei große Literflaschen Maggi nach hinten in die Küche…. – das macht mir gar nichts. Ich mag Maggi. Allerdings in einem Thailand-Rest…..? Na ja.

Gestern Abend beschlossen wir, den neuen Erdenbürger des kleinen Bruders meiner großartigen Frau aufs Herzlichste zu begrüßen. Danach regte sich in uns ein Hüngerchen. Ich schlug das Moon Thai vor. Zu essen gab es dann ein „Lab Gai“, Hühnerfleisch, gehäckselt als Salat mit Kräutern drin. Und ein Yam Nueah (thail. Rindfleischsalat).

Beides war leider überhaupt nicht großartig und ich hatte mich so auf dieses Essen gefreut. Was es auszusetzen gab?

Verlockende Wandtafeln: Nette, neue Gerichte!

Verlockende Wandtafeln: Nette, neue Gerichte!

Lab Gai gehört auf jeden Fall als Hühnerfleischsalat zur Speisekarten-Kategorie derer „aus der Luft“, Kikeriki. Gut, exzellent wird dieser eher einfache, durchschnittliche Salat aber durch die Würzung. Und die war einfach äußert unterdurchschnittlich. Sehr wichtig ist Galgant. Wichtig ist Minze und Kräuterbett als Hinzufügung. Nichts von alledem. Äußerst fade die Sauce. Keine Fruchtsäure, es fehlt Limette. Dann, schlimm: kleine Bröckchen vom Suppenwürfel (Instantwürfel), diese „rausgelutscht“, ausgespuckt und am Tellerrand verbannt.

Der Yam Nueah (Rindfleischsalat) ebenso: irgendwie lustlos, uninspiriert.

Yam Nueah (Rindfleischsalat, thailändisch)

Yam Nueah (Rindfleischsalat, thailändisch)

Es gibt davon übrigens durchaus Varianten in der Zubereitung dieser Art von Salaten: Yam Nueah nennt sich der thailändische Rindfleischsalat. Der hier angebotene Salat wird aber „Nueah Nam Tok“ genannt, übersetzt vom Restaurant: „Salat aus gegrilltem Rindfleisch und geröstetem Klebreis, gewürzt mit Thai-Kräutern“. Bzw. auch: „Gehackter Rindfleischsalat nach Thai-Nord-Ost Art (scharf)“ – Dies nur zur Genauigkeit der Berichterstattung. #Feinheiten – Und: Geschmacklich ist die Assoziation zu diesem Gericht eigentlich „ein Wasserfall vom Rindfleisch“, geschmacklich allerdings bleibt der angebotene Salat weit weit hinter dem „Bezeichner“ namens nam tok zurück, leider!

Zu beidem bestellen wir uns „scharfe Gewürze“ hinzu, also die Quadrophenia aus Sojasauce, scharfem Essig, Sambal und Nam Pla (Fischsauce mit Chili). Nach allem, was wir als geübte Pyrotechniker auf dem Ess- und Fraßgut versenken und mit einer extra berechneten Portion Reis dazu (gibt´s zum Salat nicht automatisch dazu), wächst die Erkenntnis, die gute Restaurants von selbst trägt, oder eben nicht: Pflichtbeflissen, wie ich nun war, postete ich für alle meine Freunde auf facebook, dem asozialsten aller sozialen Netzwerke:

„Der Geschmack kommt in der Regel in der Küche des Restaurants ans Essen und nicht erst bei Tisch.“ #Erkenntnisse

Mu Nam Tok (Quelle: englische Wikipedia)

Mu Nam Tok (Quelle: englische Wikipedia)

Wieder andere Spielart: English: Mu nam tok (Thai: หมูน้ำตก): nam tok means waterfall in Thai, mu is pork. The dish is originally from northeastern Thailand (Isan). (Quelle: hier) – © Fotograf: Takeaway, 2009, thanks, from Berlin!

Dem ist nichts hinzuzufügen. Jedenfalls gestern Abend war ich äußerst enttäuscht. So schlecht hatte ich das Essen von vorher gar nicht in Erinnerung. Trotzallem und wohlwollend gemeint: drei von fünf Sternen. Mit genaueren Anleitungen, Anweisungen und Details meinerseits dürfte es dem Gastropersonal dort möglich sein, mich thailändisch zu befriedigen. Das ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Ich muss wahrscheinlich nur konkretere Wünsche äußern und behaupten, ich hätte voll Ahnung von Thaiküche. Gott, was bin ich heute wieder hinterhältig.

Linklotse

(Diese Rezension erschien auch auf kauperts.de)

(EP)

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