Restaurant Tuans Hütte, Berlin-Mitte

287/15: Foto: Thaleh Duad (Meeresfrüchte, thai style), Tuans Hütte, Milchkaffee, Currywurst und Fernsehgernsehturm, Berlin-Mitte

Fernsehgernsehturm Berlin-Mitte

Ein kurzer Streifzug zu Fuß durch Ostberlins Mitte, rund um den Fernsehturm: Zunächst ein Meeresfrüchtegericht im Restaurant Tuans Hütte, dann ein fußläufiges Umherstreifen in Erinnerungen an den Fernsehturm, die deutsch deutsche Wiedervereinigung von West und Wildost und dann ein Einkauf in einem Asiasupermarkt am Alex. #Zusammenfassung

Für die einen ist er der Telespargel, andere nennen ihn den TV-Pimmel Ostdeutschlands. Wie auch immer wir ihn nennen, ist der Fernsehturm ein gutgeratenes, seltenes Vorzeigerelikt jener sozialistischen Jahre, die bereits schon länger untergegangen sind. Noch immer trifft sich Deutschland gern unter ihm. Etwas seitlich ist die Weltzeituhr, der konspirative Treff jeder subversiven Absicht der Siebziger und Achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Als noch niemand die Absicht hatte, Mauern zu errichten. Bereits für längere Zeit im real existierenden Sozialismus existierte sie real, die Mauer, während sich in ihrem Schatten Menschen dort trafen und an ihrer Überwindung arbeiteten, konspirativ. Deutsch deutsche Widersprüche.

Thaleh Duad - Meeresfrüchte

Der Ostberliner Fernsehturm war in jenen Jahren ein sehr bondlikes Ausflugsziel, im piefig kultigen Interieur des Kaffees oben ließen sich hervorragende Filme mit Sean Connery drehen. Das geschah allerdings niemals.

Inzwischen sind diese Erinnerungen schon ein bisschen verblichen und infolgedessen hilft das erneute Aufschreiben dessen einem, sich präziser an diese Zeiten zurück zu erinnern. Oben in der Kugel aus leuchtend angestrahlten Alu ist das Kaffee, in dem ich mir ungefähr 1990 beim zweiten Versuch meines Lebens, mich dort sinnvoll aufzuhalten, einen Milchkaffee bestellte. Die Kugel dreht sich und so blickte man lichtlüstern gen Horizont, wir wussten ja: „Hintern Horizont geht’s weiter.“

Der Milchkaffee kam damals knallschwarz und auf meine Frage hin, ich hätte einen Milchkaffee bestellt, wieherte mir eine unfreundliche Service-Hilfskraft meckernd entgegen, Moment. Sie brächte gleich welche. Dann kam sie kurzerhand nochmals an den Tisch gerudert, ohne Schlauchboot, sondern stante pede und brachte Milch. Diese kleinen hübsch abgepackten Kondensmilch-Kunststoffpäckchen, zwei Stück. Ich verlangte erneut nach einem Milchkaffee, sie wieherte erneut Moment.

Nun kam sie mit einer ganzen Kunststoffdose aus hässlichem DDR-mausgrau. In dieser Dose: ca. zwanzig Stück abgepackte Kondensmilch. Ich gab auf, ihr zu erklären und akzeptierte stillschweigend.

So ähnlich ging es mir kurze Zeit später auf der ehemaligen Transitstrecke Richtung Helmstedt, die nun keine mehr war. Wilde junge DDR-Existenzgründer lobten Currywurst auf Autobahnparkplätzen aus, noch gab es keine nennenswerte Systemgastronomie im wilden Osten. Die Wurst ging über den provisorischen Tresen auf Pappteller, nur eine geeignete Gesamtbekleidung vom Ketchup fehlte. Die Wurst kam wursttrocken und ich erinnerte an meine Bestellung: „Eine Currywurst, bitte.“ Er -der wilde, mobil Wurstfachverkäufer und Existenzgründer nahm den Pappteller wütend zurück und schleuderte mir noch etwas in der Art entgegen: „Wat wollense denn noch?“

„Currysauce?“

„Ham wa nich. Jeht Senf?“

Auch hier schwieg ich augenblicklich, ein bisschen dankbar und demütig durchaus, wir hätten die zu uns gehörigen Landesteile bald wieder im Sack und dann gäbe es eine Art Qualifying. Firing bad ass services as soon as it possible und dann: Wurscht für alle.

Heute sind das alles nur Erinnerungen eines in die Jahre gekommenen westlichen Widerlings und Rechthabers.

Umme Ecke, dichte bei den Fernsehturm essen einige gern beim Thailänder. Dort ist in der Dirksenstraße eine der schönsten kleinen Hundehütten Berlins: Die Thailand-Oase „Tuans Hütte“. In jener Hütte führte ich schon wichtige Männergespräche, u.a. mit dem Nahporträtisten Gerald Angerer, dem ich auch mal eine Laudatio auf seinen Geburtstag verfasste. Hier ernährten wir gemeinsam die gedankliche Hybris unserer Bloggwart-Gedanken und vernaschten im gemeinsamen tête-à-tête thailändisch Gourmetgeschaffenes aus 1.001 Nacht. Vielleicht war es auch ein Privatissimum, so genau weiß das niemand. Hier kehrte ich neulich mit Elke ein, um abzuweichen vom Gewohnten.

Gewohnt hat man. Gewohnt war man. Gewohnt ist man. Manchen. Alles andere ist ungewohnt. Wo man nicht gewohnt hat, wo man nicht gewohnt war. Wo man nicht….ach lassen wir das.

Die Macht der Gewohnheit schafft sich gedachte vorausempfundene Vorfreuden auf Altbekanntes. Wer ein- oder mehrmals in einem Restaurant war, greift gern zurück auf das, was er schon kennt. Ich fasse mich kurz: Das tat ich nicht. An jenem Tag mochte ich etwas Neues ausprobieren, und das nennt sich Thaleh Duad (hier die Speisekarte, Gericht Nr. 171, hamma!), die Italiener würden wohl Frutti di Mare dazu sagen und wir,  Meeresfrüchte aller Art.

Dass dies Gericht für mich so erwähnenswert erscheint, hängt mit einem Angriff auf meine Geschmacksknospen zusammen.

Ich halte mich für einen fortgeschrittenen Asiakoch, ich habe viel herumexperimentiert mit einer Liste von fünf bis sieben verschiedenen Geschmacksrichtungen. Dieses Essen aber sprengte meine Vorstellungskraft. Und weil ein Artikel wie dieser nie und nimmer dazu geeignet ist, alle Aspekte des Lebens gebührlich zu behandeln, will ich den Artikel mit der Feststellung schließen, dass häufig das Nachfragen bei den Bedienkräften nicht viel bringt: „Wie manchen Sie das?“, das bedeutet allenfalls allgemeine, zu butterweiche Auskünfte: „Ja, ist Fischsauce drin. Und Austernsauce.“ Und na klar, das weiß ich sowieso, aber was macht den ganz besonderen, einzigartigen Geschmack dieses Gerichts aus.

Ich erntete keine vernünftige Antwort, obwohl ich mit all den hübsch anzusehenden Servicekräften in Tuans Hütte bestens kann und sie für ihre Freundlichkeit und Verbindlichkeit gern ausgiebig lobe. Bitte geht da nicht hin: Sonst bekomme ich keinen Platz, nur weil meinem Wort welche vertrauen. Ich kann das Restaurant daher vor allem aus diesem Grund überhaupt nicht weiter empfehlen.

Allein zu Testzwecken sucht der Berichterstatter auch den Asia Mekong-Supermarkt in der Panoramastr. 1 auf. Gut sortiert, sehr viel frisches Grüngemüse, aber preislich nicht hochattraktiv. Überraschend: An der Abendkasse packt einer der zwei Mitarbeiter einem die Taschen (plusplus) und ordnet an: „10% Rabatt auf alle Preise“ und grüßt freundlich mehrmals erinnernd mit der Grußformel „dann bis nächstes Wochenende“. So geht Marketing. Sehr freundlich, aber irgendwie auch zweifelig: Warum 10% auf alles? Habe Tiernahrung nicht gefunden, alles gut Food.

Unglaublich lecker.

Soviel zum Thema Milchkaffee, Currywurst und Meeresfrüchte.

Na, das war ja auch nicht anders zu erwarten.

Bilder sind angehängt.