283/15: Gastritik: Die Dünenklause auf Spiekeroog, falsche Fuffziger und quengelnde Gäste

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Vom gut Essen gehen zu erzählen, ist zuweilen hakig und ösig. Mit etwas Pech ölig und wenn Gäste unzufrieden sind nölig. Solche Gäste habe ich erlebt. Und mir gehen ihre Attitüden und ihre schlechte Benimmse ziemlich auf den Senkel.

Der erste ist Familienvater in der inzwischen dritten Generation, Opa, und er hat Tafelspitz mit Meerrettich gehabt. Der Ober räumt ab und fragt: „Waren Sie zufrieden?“ Opa sagt als einziger: „Nein.“ Ober fragt nach: „Was? Warum?“ und „Sie können es mir sagen, dann kann ich es ausrichten in der Küche?“  Ich drehe mich um, schaue Opa an, er guckt so verkniffen. Er bemerkt es. Jetzt fängt er an, herum zu stottern. Er will nicht heraus mit der Meinung. Der Ober setzt nach: „Vielleicht kann ich es ja wieder gut machen?“ Vernünftiges kommt nicht aus Opas Maul. Es ist vollgestopft. Der Teller ist blitzblank sauber. Artig alles aufgegessen.

Generation Trümmermann: Man lässt nichts liegen. So ist das aber nicht in Ordnung. Man lässt etwas zurück gehen, wenn es nicht in Ordnung ist. Opa. Komm. Schweig. Übellauniger Zeitgenosse.

Die zweite Nörglerin ist eine Gästin, die mit ihrem Liebsten das Lokal verlässt. Sie raunt ihm zu: „Also, das Essen war scheiße, aber gemütlich wars.“ Derselbe Ober von eben reißt noch die Lokaltür auf und läuft ihr nach. Er hält einen kleinen grünen Frosch in die Höhe. „Aber den Frosch soll ich nicht wegwerfen, oder?“ und lächelt. Er hat nicht gehört, was sie eben gesagt hat. Vielleicht hätte er ihr sonst den Frosch an den Kopf…?

Nun säuselt sie, ganz beschwippst vor Freundlichkeit und Herzlichkeit, etwas in der Art „Ach Gott, nein, aber ja, das ist so lieb von Ihnen. Das ist mein Frosch und den will ich auf gar keinen Fall hier liegen lassen.“ Der Ober lächelt, läuft ihr ein Stück entgegen und übergibt den Frosch.

Falsche Natter. Pfui.

Wir haben das Lokal angefragt. Die Tischrunde soll rund zwölf Personen betragen am Abend und nachmittags heißt es, keine Chance. Alles ausgebucht. Wir stellen uns auf ein Grillen im Garten ein, die Insel ist gut besucht dieser Tage, man bekommt kaum noch freie Tische. Als die Grillparty bereits erörtert wird und was wir noch besorgen müssen, ruft unerwartet die Dünenklause nochmals zurück. Der Chef ist dran: Er hat eine Lösung gefunden. Wir sind hocherfreut.

Beim Betreten des Lokals ist dieses rammelvoll, wir müssen noch fünf Minuten warten, dann wird der versprochene Tisch frei. Unser Ober, der obige (nicht der Obrige), wieselt zwischenzeitlich zwischen uns herum und beeilt sich sichtlich, uns nicht all zu lange warten zu lassen. Dann tafeln wir. Das Essen ist gut. Auf einer Tagestafel vorn am Eingang liest man: „Dry Aged Steak“ für 24,90 EUR. Ich überlege, lasse das, ich bin eingeladen. Ich nehme einen Grillteller mit einer Cognac-Sauce dazu. Ich sage: Sauce, ich brauch viel Sauce. Alles ist gut gediehen, wohlgelitten, das Essen schmeckt, das Fleisch ist auf den Punkt gegrillt und ich bekomme eine Extra-Saucière mit der üblichen Sauce. Alle meine Mitesser sind mit ihrem Essen hochzufrieden.

Negativ an dem Lokal fällt buchstäblich gar nichts auf. Es ist einfach ungerecht, wie diese beiden Touristengäste (ganz oben) über das Lokal urteilen. Lauter falsche Fuffziger. Ich kann das Lokal ohne Probleme empfehlen. Gute geschmackvolle Küche, nicht zu teuer, äußerst aufgeschlossen, freundlich, stets ein offenes Ohr.

Tolles Restaurant.