Bilderserie "Orchidee", Rheinsberg

237/14: Gastritik: Das Restaurant „Orchidee“ in Rheinsberg sollte Fuß fassen und sich bewähren, es braucht so was!

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Chinesische Winkekatze, bearbeitet

Das Problem am Platze: Wo essen gehen? – Rheinsberg-Gastroland fast abgebrannt. Als Städter auf Reisen durch die Mark oder als Rheinsberger Umländer, essen gehen, wie Fontane speiste oder „Der alte Fritz“. Der übrigens ist schräg gegenüber und zählt ganz zweifelsohne zu den Platzhirschen. Es gibt vielleicht zwei Restaurants in der Qualität, wie sie der „Alte Fritz“ aufzubieten hat.

Asiatisch essen, in Rheinsberg? Nöö… – So halten es viele Rheinsberger. Sie denken sich was und das offene Denken verbrämt sich z.B. in: „Das ist bestimmt eine Geldwaschanlage.“ Wenn nicht? – Wenn es einfach nur ein den Brandenburg-Ostprignitzern das asiatische Essen nahe zu bringen ist?

Bilderserie "Orchidee", Rheinsberg

Bilderserie „Orchidee“, Rheinsberg

Asiatische Tischdeko: Wie ein chinesisches Hütchenspiel angeordnete Servietten…

Im Zeitpunkt der hiesigen Überlegungen ist das Restaurant die „Orchidee“. Vorher hieß es anders, da hat es sich kein ganzes Kalenderjahr gehalten. Gastronomen hier wissen: Die Sache mit den Lokalitäten ist ein Saisongeschäft. Man schließt wintersüber. Es kommen keine Gäste.

Erst recht kommen keine, wenn hinter vorgehaltener Hand Dinge vermutet werden, die fehl am Platze sind. Mir ging es im ersten Anlauf der „Vor-Orchidee“ übrigens nicht anders. Ich hatte längst vor, anzutesten, allein es fehlte mir die Kraft zu tun.

Jetzt habe ich es anders gehandhabt und ein Restaurant-Testkit meinerseits zum Bestellvorgang gebracht, das Lokal inspiziert und gleich am Eingang eine güldene, chinesische Winkekatze gesehen, goldig. Das Interieur des Lokals ist in Bambus ausgeführt. Das ordne ich selbst tendenziell dem indonesischen Lokal zu. In Berlin gibt es beispielsweise das Tuk Tuk am Kleistpark, Schöneberg, wo das zelebriert wird: Man ist zu Gast und speist in so einer Art Tempel der lukullischen Lüste. Dass das auch in Rheinsberg ginge, ist mir neu. Weg kann auf jeden Fall der weiße Plastik-Weihnachtbaum, der in unnötig vielen Farben angeschaltet werden kann. Örgs!

Das Restaurant ist eher so pan-asiatisch, Schwerpunkte bilden die Küchen Chinas, Vietnams und Thailands. Die Gefahr, dass keine der Küchen so richtig überzeugt, ist groß. Es gibt Sektionen in der üppig illustrierten Speisekarte, so wie z.B. „Für den kleinen Hunger“, „Suppen“, „Warme Vorspeisen“, „Salate“, „Vietnamesische Suppen“, „Schweinefleisch“, „Hühnerfleisch“, „Rindfleisch“ und „Ente“, und einiges mehr, naja, das kennt man ja.

Wir sind auf dem Durchweg. Große Küche haben wir nicht vor, eher so kleines, schnelles Essen für Wegelagerer. Meine Begleiterin bekommt eine Wan-Tan-Suppe und fragt: „Papa, was ist denn das?“ – Ich sage irgendwas von „Schwäbische Maultaschensuppe auf chinesisch“. Ich eine Sauerscharfsuppe. Als Hauptspeise bekommen wir dann „Schweinefleisch auf Nudeln“ (K2) und ich esse „K14 – Ente gebacken mit Spargel, Champignons und Bambus“. So viel kann man da nicht verkehrt machen. Dazu gibt es einen Limettensaft und ich trinke einen Ingwertee mit Limettensaft und bestelle Honig dazu.

Natürlich fehlt der Honig, und dass Limetten gleich reingepresst sind, sieht man nicht, schmeckt es aber. Das Essen ist einfach, nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. Den Honig hole ich mir am Tresen: Mir stößt unangenehm auf, dass man mir eine „Flotte Biene“ von Langnese, so Quetschehonig aus dem Supermarkt, reicht. In Sehnsucht, ein bisschen ins Reich der sinnlichen Gelüste entführt werden zu wollen, ein krasser Stilfehler. Man gibt einem Gast im Asia-Restaurant keine Quetsche „Flotte Biene“. Ich nenne es den asiatischen Atmosphärenkiller Numero Eins“. Ich erwarte ein kleines, reinweißes, chinesisches Porzellan, von mir aus mit Lotusblütenblätterzeichnungen drauf, es muss exotisch sein. Ist schließlich kein Muccosolvan.

Exotisch ist es aber nicht. Auch die Rechnung nicht. Wir sollen rund 18,- EUR für alles bezahlen, das ist „gnadenlos billig“, zu billig und als Schmankerl oben drauf zieht die Bedienung 10% Eröffnungsrabatt ab, mit der Folge, dass der zu zahlende Preis ein ganz krummer Betrag ist. Auf den ich gern aufrunde, weil alles andere mir zu anstrengend wäre.

Mein Fazit: Ich habe drei Sterne für das angetestete Restaurant gegeben. Ich blieb auf meinem Stuhl fest sitzen, nichts haute mich vom Hocker. Ja, ich denke, da gehe ich nochmal hin, viel will ich hier nicht erwarten, einfache Kost geradeaus, schnörkellos. Sushi haben sie hier zu recht von der Speisekarte genommen. Der Vorgänger versuchte sich darin, die Nachfolger wissen es offenbar besser. – Hier in der Gegend geht sowieso nicht alles und wozu dann etwas anbieten, das nur unter größten Anstrengungen….? – Genau: Kernkompetenz Kochen, Kochen, Kochen.

Hervorhebenswert:
„Auf Wunsch bereiten wir Ihre Gerichte auch ohne Glutamat zu“ #Speisekarte

Meinerseits der ehrliche, aufrechte Wunsch, dass es den Asiaten gelingen möge, dass sie Fuß fassen, dass die Gegend Zutrauen in die Redlichkeit und das bemühte Auftreten bekommt. Dass es ein Asiate sogar hier schafft, etwas von Dauer auf die Beine zu stellen. Ich glaub es ehrlich gesagt nicht: Aber ich wünsche es mir, auch im Interesse der Vielfalt.

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(Diese Gastrokritik erschien auch auf www.qype.com)

2 Gedanken zu „237/14: Gastritik: Das Restaurant „Orchidee“ in Rheinsberg sollte Fuß fassen und sich bewähren, es braucht so was!

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