Bilderserie "Café Meyan, Berlin-Schöneberg"

219/14: Gastrokritik: Das Café Meyan, zu deutsch „Süßholz“ in der Goltzstr. in Berlin-Schöneberg

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Bilderserie "Café Meyan, Berlin-Schöneberg"

Bilderserie „Café Meyan, Berlin-Schöneberg“

Superladen, ganz besonders gut!

In der Goltzstr. ist irgendwie auch schon bisschen der „Ranz“ drin. Viele der Läden sind dort schon sehr lange. Bei einigen hat sich aufs Engagement mit der Zeit schon so ein bisschen  Patina gelegt. So wie wenn man die Jahre kommt und der eigene Fokus langsam abhanden kommt. Eigentlich sind wir aus Erinnerung an gute Zeiten im Café M zum Frühstück verabredet. Eine junge Frau, die mir den Kaffee bringt, sagt zu einem anderen Gast mit drei Mitessern, die am Nebentisch Platz nehmen: „Isch habbe gar kein Frühstück.“ – Seit ungefähr zwei Jahren, so ist zu vernehmen, bietet das Café M. kein Frühstück mehr an. Das ist der Vorzug des neu hinzu gekommenen Cafés namens „Meyan“, das ist türkisch und bedeutet „Süßholz“.

Genau das werde ich 10 Minuten später mit meinem besten Freund freiwillig ein paar Häuser entfernt von Café M. raspeln. Großes Frühstück spachteln. Was nützt es, sich zum gemeinsamen Frühstück verabreden zu wollen und dann zu erfahren, es gäbe seit zwei Jahren keins mehr. Minus und Minus, in der Goltzstr. geht diese mathematische Gleichung auf, ergibt Plus.

Dicken Pluspunkt für das Café Meyan. Als erstes sind die Frauen, die hier bedienen, von einer großartigen, natürlichen Schönheit. Ungekünstelt, weitgehend ungeschminkt und trotzdem schön. Vermutlich deswegen. Sie lächeln eher so freiwillig, als täte das, was sie tun, Spaß tun. Schlechter Deutsch meinerseits.

VALENTEANO, Sänger, Musiker

VALENTEANO, Sänger, Musiker

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© dreastique malt mit Fotos von betörender Schönheit

Und dann die Auswahl. Wir platzieren uns draußen, weil die Häuser ja drinnen stehen und es sind jetzt die ersten Tage, an denen man auch boulevardesk zu frühstücken in der Lage sein sollte. Während ich noch auf die Karte gucke und mich zum Scherz beschwere, ob sie möglicherweise auch Sonne bringen könne, kommt erstens mein Freund und allein das ist schon die Sonne. Aber sie selbst, Mutter Sonne, bricht sich in diesen Minuten ohnehin Bahn und pflugs ist der Tisch in der gleißenden Sonne besessen.

Mein Frühstück lasse ich mir ohne weitere Würdigung der Karte zusammenstellen. Genau genommen ist es eins der teuersten Zusammenstellungen auf der Karte, Frühstück fünf. Dazu bestelle ich noch zwei Frühstückseier. Da ich sie weicher haben wollte, gibt es hierfür eine Abwertung von 1 Stern und nur 5 Punkte. Sonst hätte ich hier 6 vergeben.

Das Frühstück ist schlicht großartig. Der Kaffee schmeckt sehr gut. Die Bedienung ist freundlich. Die schlechte Laune meinerseits ist wie weg geblasen, seit ich das Café M. ein paar Häuser weiter desillusioniert verließ und schon der Idee misstraute, hier noch irgendwo was zu finden zum Frühstücken. Es ist Zeit, die eigene Rinde schonungslos in die Welt hinzuhängen. Apropos: Saß die Made auf dem Baum hinter der Rinde, sprach der Musiker VALENTEANO zu dem Kinde: „Meine Flügel spreiz´ich weit.“

Ralph VALENTEANO feat. Dominic Miller- Die Rinden meiner Zeit

VALENTEANO erklärt: „Der Song ( Orig. Lyre’s String) entstand als letzter auf meinem Album. Ich hatte ihn auf Dominic´s Album Fourth wall gehört und ihm eine Version mit meinen Vocals zugesandt. Als er dann bei mir im Studio war, erinnerte er sich daran und sagte, warum machst du nicht einen deutschen Text dazu und wir nehmen es mit auf dein Album. Daraus entstand einer meiner schönsten Texte wie ich finde…“

(Dominic Miller ist vielen seit vielen Jahren als großartiger Gitarrist und ständiger Wegbegleiter des Weltstars Sting bekannt. VALENTEANO arbeitete kürzlich mit dem Ausnahmegitarristen im Tonstudio.)

Auch meine Kontrollbegehung (Spaß) des Ladens innen fällt nur positiv aus. Gelungenes Interieur. An der Theke steht der Chef. Er weist mich „Lokalreporter“ (der Name ist besetzt, ich leihe ihn kurz) darauf hin, ich könne auch auf der Website yelp.com Fotos sehen, dann müsste ich nicht noch weitere machen. Das ist nett gedacht, hat aber einen entscheidenden Fehler: Ich fasse erstens anderer Leute Fotos nie an und zweitens mag ich den von ihm genannten Platz nicht mehr, weil er einst qype.com hieß und jetzt yelp.com und weil das wie McDonald´s für Gastrorezensenten ist. Ich entscheide mich lieber für plazaa.de und hinterlasse, wenn dann hier meine Duftmarken.

Diese hier heißt „großartiger Laden“. Ich empfehle den Laden für ein gepflegtes Frühstück, denn nur so weit kann ich den Laden überblicken. Gänzlich ins Schwärmen komme ich, wenn ich mir die große Glasvitrine mit jede Menge „türkischen“ nein besser mediterranen Antipasti (nicht italienisch gemeint) ansehe. Hier ließe sich noch jede Menge Mundraub begehen: Man müsste ihn wohl bezahlen.

Fünf Sterne. Verdient. Danke. Was ich ganz selten mache: Ich hab mich beim Personal bedankt dafür, dass es mir so gut hier gefallen hat. Ich bin mal wieder dort.

Linklotse

(Dieser Artikel erschien auch auf plazaa.de)