20.12: Gastrokritik: Meine Meinung zum Mao Thai am Fasanenplatz in Berlin-Wilmersdorf

Collage "Mao Thai am Fasanenplatz"

Collage "Mao Thai am Fasanenplatz"

Mao Thai am Fasanenplatz, das ist ein Fünf-Sterne-Ort á la Kauperts.de, weil nur die Besten fünf Sterne verdienen. Von allen Thailändern in Berlin verdienen nur die Wenigsten fünf Sterne. Das Mao Thai am Fasanenplatz gehört für mich auf jeden Fall zu dieser ganz „dünnen, gastronomischen Wolke“ (neudeutsch: cloud), in der sich die Besten tummeln.

Speisekarte "Mao Thai am Fasanenplatz"

Speisekarte "Mao Thai am Fasanenplatz"

Mit den Gästen ist es übrigens nicht anders als mit den Gastronomen selbst. Wer in ein Restaurant geht, soll sich da auch wohlfühlen. Nicht jedes Restaurant ist für jeden gut. Wir sehen an einem der Nebentische eine Gruppe älterer Leute. Man möchte spontan meinen, sie genössen gern Königsberger Klopse, Sauerbraten, falschen Hasen und so. Eine der Damen mosert immer wieder herum, weil ihr irgendwas nicht passt. Man ist versucht aufzustehen und sie in ihre Schranken zu weisen: Geh Klöße fressen… – ein Wunder hiergegen die thailändische Bedienung: sie bearbeitet jedes noch so krude Anliegen der beckmessernden „Gästin“ mit Langmut, Geduld und Ausdauer. Ja, mancher Gast ist nicht für jeden Ort gemacht.

Mao Thai ist ein thailändisches Gastrokonzept, dass auf dessen (deutschen) Firmengründer Norbert Frankenstein ursprünglich zurückgeht. Das Stammhaus ist auch heute noch an der Wörther Straße im Szenebezirk Prenzlauer Berg angesiedelt. Dann gibt es noch „Tuan´s Hütte“ in der Dirksenstr. in Berlin-Mitte, eine Art Imbiss mit thailändischem Zuschnitt.

Und als Highlight wurde vor vielen Jahren das Restaurant am Fasanenplatz aufgemacht. Es ist ein ausgesprochener Edelplatz hier, direkt am Fasanenplatz in einem der schönsten Altbau-„Miezhäuser“ Berlins, die Meierottostr. 1 ist ein Vorzeigekawennzmann. So was von prächtig.

Hier kommen sie alle her. Die jungen Erfolglosen, die älteren Erfolgsgewohnten, die A-, B- und C-Promis, letztere vermutlich direkt aus dem Dschungelcamp in Australien. Ich hab hier schon Jochen Busse speisen sehen und Natalia Wörner zwitscherte vor dem Lokal rauchend ihrem englischen Liebsten ins Ohr, ja, sie würde ihn so gern wiedersehen. Und auch ich kam, sah und rauchte.

Speisekarte, Auszug "Thai Salate" - "Mao Thai am Fasanenplatz"

Speisekarte, Auszug "Thai Salate" - "Mao Thai am Fasanenplatz"

Einesteils vor der Tür meiner widerlichen Sucht zu frönen. Andererseits im Anschluss ans Gerichte essen, deren thailändische Schärfe mir gern einmal die Tränen in die Augen trieb. Ich kam, sah und weinte.

Aber auch, weil sie mich bediente, sie ist ungefähr 55 Jahre alt, eine Klasse Thaifrau, spricht gebrochen Deutsch, aber erinnert sich immer an mich. Das mag ich. Ich mag, wenn man mich wiedererkennt. Nicht weil ich prominent sein will, sondern weil eine persönliche Beziehung im Gastronomischen nicht unwichtig ist. So muss ich nicht viele Worte machen.

Die asiatischen Gastronomen und insbesondere das Servicepersonal lässt es ja leider oft vermissen. Freundlichkeit, Verbindlichkeit im Auftritt und insbesondere „das offene Ohr“ für kleinere Wünsche, die dem Gast das Leben versüßen und die Erinnerungen an den Verzehr unvergesslich machen. So eine war sie und ist sie immer noch, gleich wie viel Zeit ich zwischenzeitlich ins Land gehen lasse und den Laden längere Zeit nicht aufsuche.

Auch bei den „Rezensenten“ auf qype.com mischt sich eine Phalanx von Liebhabern und ausgesprochen Lustlosen. Letztere rotzen Kritiken da hin, die man nur als Schmähkritik bezeichnen kann, die vor unzulässigen Verallgemeinerungen und Beleidigungen strotzen. Es sind schlicht unausgegorene, schlecht gelaunte Verurteilungen und damit das Gegenteil einer ätherisch-zutreffenden Beschreibung von Kleinigkeiten und „unterlassener Kritik“ am Orte selbst. Dass Kleinigkeiten mal nicht stimmen, mag sein. Hier ist die sofortige Beschwerde zulässig. Und nicht das „beckmessern“ auf Internetportalen. Das ist unfair, u.a. dem Neugierigen gegenüber, der sich von Gastrokritiken einen eigenen Nutzen erhofft. Der Gelassene überliest sie, der Geübte ignoriert sie regelrecht und bildet sich bei Gelegenheit eine eigene Meinung.

Norbert Frankenstein ist hier längst weg. Sein Koch am Fasanenplatz hatte das Restaurant übernommen. Und auch jetzt ist der Service nicht schlechter geworden oder die Qualität. Nein, der Laden hat nun schon seit Jahren ein gleichbleibend hohes Niveau. Es kommen auch immer wieder neue Speisen hinzu.

Speisekarte, Auszug "Garnelen" - "Mao Thai am Fasanenplatz"

Speisekarte, Auszug "Garnelen" - "Mao Thai am Fasanenplatz"

Sehr gern esse ich dort einen Barsch namens „Lad Pla Prig“. Auf dem von mir zur Verfügung gestellten Foto (unten) ist er als ganzer, kross gebratener Fisch zu sehen. Dazu gibt es immer (nur bei mir) eine Extraportion „süß-scharfe Chilisauce“. Wie ich bereits andernorts schrieb, ist Fisch für mich nur gut, wenn er auf dem Teller auch in der Lage ist zu schwimmen. Dazu benötigt der geübte Gourmet, Sauce. Viel „scharfe Sauce“, serviert vom Servicepersonal, das aber wenigstens auch verstehen muss, was man meint, wenn man extra „viel scharfe Sauce“ bestellt.

Barsch in scharf-süßer Chilisauce - Mao Thai am Fasanenplatz

Barsch in scharf-süßer Chilisauce - Mao Thai am Fasanenplatz

Restaurants, die sich bei solchen Sonderwünschen nicht lumpen lassen und reichlich auftischen, haben bei mir schon einen Stein im Brett. Das Mao Thai hat auch ein Stein in meinem Brett, seit vielen, vielen Jahren. Unbedingte Empfehlung. Einer der besten Thais in ganz Berlin. Guten Hunger.

Linklotse

(EP)

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