13.12: Philosophie: Einige Indiskretionen über die schönste Nebensache der Welt!

Radio BerlinBrandenburg: Zucht, Besamung, Vermarktung #Grüne Woche
Radio BerlinBrandenburg: Zucht, Besamung, Vermarktung #Grüne Woche

Alle sagen immer, darüber redet man nicht. Das sei zu banal. Die Sache sei es nicht wert, sie so auszubreiten. Es lohne sich nicht, darüber auch noch Schriftliches zu verfassen, sich im Unwesentlichen zu verlieren.

Das ist mir egal. Ich nutze die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, auf die Schönheit meiner kleinen Welt gezielt hinzuweisen. Wenn ich dabei die Grenze des Trivialen zu überschreiten drohe, macht das nichts. Die ganz Glücklichen auf der Welt haben gerade im Einfachsten ihre Erlösung vom verkopften, intelligenten Strategiedenken gefunden. Was aber ist die schönste Nebensache der Welt? Und inwieweit lohnt es sich, darüber indiskret zu philosophieren?

Zutat: Magerer Speck & Fetter Speck #Foodspotting

Zutat: Magerer Speck & Fetter Speck #Foodspotting

Für mich ist eine der schönsten Nebensachen der Welt die sonntägliche Morgen-Zubereitung eines persönlichen Spiegeleis mit Speck in der Pfanne. Es gibt mehrere Wege nach Rom und hin zu meinem daily Spiegelei. Eine davon geht so.

Vorweg ist sie nicht fleischfrei. Was sie zu einem Solitär in meiner Wochenlandschaft macht. Wochentags versuche ich weitgehend, auf Fleisch zu verzichten. Nicht mit einem stiernackigen Dogma auf Teufel komm raus, sondern so konsequent als möglich. Überhaupt könnte ich gar nicht nach allzu festen Regeln leben. Ich bin viel zu freiheitsliebend. Wenn ich einer Prämisse folge, dann aus freiem Antrieb. Aus innerer Überzeugung.

Im Dschungelcamp aßen gestern Abend welche den „Anus vom Straußen“ als Mutprobe. So bekommt man in Deutschland fünf Millionen Zuschauer, moderiert von dem zu dicken Vegetarier Dirk Bach und der blonden „Saftschubse“ Sonja Zietlow.

Ich aber esse nur Spiegelei, sonntags auch mit Speck.

Zutat: Magerer Speck & Fetter Speck, geschnitten
Zutat: Magerer Speck & Fetter Speck, geschnitten

Fakt ist, ich werde wohl niemals fünf Millionen Leser bekommen, so insgeheim ich hier auch so genannte „brand tags“ (brennende Reizschwellwörter) wie „Dirk Bach“, „Dschungel“ oder sogar „Fetter Speck“ in sensationslüsterner Art und Weise poste. Die Suchmaschinen werden mich finden, denn ich schreibe „hochaktuell“ und „gewitzt“, gewieft. Sobald aber der Leser dieses hier zu lesen imstande ist, wird ihn das Gefühl überkommen: Das ist durchwachsen.

Durchwachsener Speck, beispielsweise. Ordentlich geschnitten in Stücken, die man braten kann. Bis sie knusprig sind. Öl brauche ich nicht. Das besorgt mir der additiv hinzugefügte fette Speck. Nicht Dirk Bach, übrigens, um das gleich klarzustellen. Ich mag den. Am besten, so wie er ist. Eine weiße, ölige Struktur, fett, heterogen, eben nicht heterosexuell. Sondern eher homogen: Fetter Speck ist eben nicht heterogen, sondern homophil. Ach, das Dschungelcamp lässt grüßen.

Zutat: Eier, in der Pfanne #Foodspotting
Zutat: Eier, in der Pfanne #Foodspotting

Praktisch: Indem ich eine Teflonpfanne benutze, kann ich auf Öl komplett verzichten. Muss allerdings den Eierheber möglichst aus Holz nehmen. Damit die Beschichtung der Pfanne nicht verkratzt…

Es sagt etwas aus über die Intelligenz der Menschen, womit sie sich beschäftigen. Z.B. in puncto Fernsehen. Das ist heute Morgen das Thema am Frühstückstisch. Die „lower generation“ der Jüngeren hat Brigitte Nielsen genossen, die neue Dschungelkönigin“. Die „upper generation“ quält sich mit ganz anderen, existenziellen Fragen, wie der Zukunft der Familie. Es heißt, dass das Fernsehprogramm der Privatsender einzig und allein vom Umsatz machen beseelt ist. Diese sei seelisch arm. Niederträchtig. Es sei nicht hinzunehmen, dass ein Mensch bspw. Vegetarier ist und gleichzeitig begeistert das Dschungelcamp schaut. Es sei „ethisch abzulehnen“, Stierhoden, Straußenanus oder Maden, Motten, Mücken zu zerdrücken, um sie zu verdrücken. Es sei ethisch nicht in Ordnung, nach Australien zu fliegen, um ins deutsche Fernsehen andere Bilder zu senden als australische. Nämlich deutsche, inszenierte Nichtrealität.

Wer sich von solchen Fernsehbildern beherrschen lasse, sei nicht intelligent oder nicht stark genug sich vom Dominanzstreben der privaten Fernsehsender geistig abzukoppeln und diesem schwachen Sinn geistvoll, kräftig und vital entgegen zu treten. Sich dem Mainstream entgegen zu stellen, habe auch was Mutiges.

So wie ein Frühstücks-Spiegelei am Sonntagmorgen. Aber bitte mit Speck. Genug jetzt vom Heckmeck. Was übrig bleibt, ist übrigens Biomüll: Restmüll aus der Oberschale. Was bleibt: ein schaler Nachgeschmack.

Eierschale: Restmüll aus der Oberschale!

Eierschale: Restmüll aus der Oberschale!

Frühstückseier am Sonntagmorgen braten, das ist die vielleicht intensivste, schönste Nebensache der Welt. Aber bitte: Diskretion. Ich will nicht, dass die Banalitäten wie diese sich letztlich bis nach Australien herumsprechen.

 (EP)

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